Wie die ZHAW mit Frazier AD lehrt

Unsere Studierenden fangen einfach an, verstehen das sofort und dann schreiben die halt.

Hallo Martin, stell dich doch mal kurz vor.

Ich bin seit 15 Jahren Dozent am Departement Angewandte Linguistik an der ZHAW. Seit gut zehn Jahren beschäftige ich mich mit Barrierefreier Kommunikation und seit zwei Jahren leite ich hier an der ZHAW den Lehrn- und Forschungsbereich Barrierefreie Kommunikation.

Video To Voice habe ich bereits 2017 im Rahmen der 1. Konferenz Barrierefreie Kommunikation kennengelernt. Christian hat dort einen Vortrag zum Thema „Text-To-Speech Audio Description: Potentials of Web-Bases Applications Towards More Accessibility“ gehalten und die erste Version von Frazier vorgestellt.

Erzähl mal ein bisschen über Audiodeskription an der ZHAW. Wie sieht das bei euch im Studium aus?

Unser Studiengang war ein klassischer Übersetzerstudiengang, den wir aber in den letzten Jahren immer wieder modernisiert haben. In der nächsten Durchführung kommt zum Beispiel die Vertiefung Language Engineering hinzu.

Im Bachelor Mehrsprachige Kommunikation wird Audiodeskription als Semesterkurs angeboten und im Master Multilingual Communication Management haben wir auch Kurse, in denen wir uns intensiv mit Audiodeskription und anderen Methoden der Barrierefreiheit beschäftigen. Da arbeiten wir und die Studierenden regelmäßig mit Praxispartner:innen und Vertreter:innen der Zielgruppe zusammen.

Vor Frazier hattet ihr ja andere Tools. Wie lief das damals ab?

Wir haben mit klassischer Desktop-Software gearbeitet. Das Problem war, dass wir nur fünf Lizenzen auf fünf fest installierten Rechnern hatten. Das hieß, es gab nur Gruppenprojekte, und unsere Studierenden mussten immer vor Ort sein, um an ihren Projekten zu arbeiten. Und leider hatten wir aus Kostengründen keine Vollversion, da konnten wir bestimmte Dinge einfach nicht machen.

Man musste auch wahnsinnig viel Zeit in die Erklärung der Software investieren. Die Einführung hat locker eine Doppelstunde gedauert. Ich stand vorne und hab gezeigt, wie man ein Projekt anlegt, wie man sich bewegt, wie man Aufnahmen macht und abspielt und so weiter.

Und während der Projekte kamen die Studierenden ständig: „Das funktioniert nicht!“ oder „Das tut nicht!“. Wir waren oft mehr mit technischem Support beschäftigt als mit der eigentlichen inhaltlichen Lehre. Das war schon frustrierend.

Wir waren schon froh, wenn sie nachher irgendwas abgeben konnten und uns die richtigen Dateien geliefert hatten. Wir konnten viel weniger auf Inhalte achten.

Warum habt ihr euch dann für Frazier entschieden?

Frazier ist einfach stabiler als die Tools, die wir vorher hatten. Wir brauchen viel weniger Zeit für die Einführung, und die Studierenden können sich dadurch viel mehr auf die Inhalte konzentrieren.

Sie haben jederzeit Zugriff auf ihre Projekte und können so von zu Hause aus arbeiten, auch kollaborativ. Man kann ihnen Hausaufgaben geben und muss ihnen nicht den gleichen Rechner mitgeben. Die Kurse sind in vielen Punkten nicht nur einfacher geworden, man hat auch neue Möglichkeiten, die wir davor einfach nicht hatten.

Die Dozierenden können sich die Arbeiten der Studierenden direkt anhören und sofort Feedback geben. Und die große Auswahl an synthetischen Stimmen in verschiedenen Sprachen ist ebenfalls sehr wichtig, da wir Studierende haben, die auch mit Französisch oder Italienisch arbeiten.

Sobald ich ihnen irgendeine Schreibaufgabe gebe, ist es ruhig und dann kann ich eigentlich Kaffee trinken.

Die Hemmschwelle, Frazier zu benutzen, ist wirklich extrem niedrig für die Studierenden. Im Vergleich zu dem, was vorher da war, und auch im Vergleich zu anderen Tools, die ich in ganz anderen Bereichen unterrichte. Man kann so schnell loslegen und trotzdem ist es eine Software auf einem professionellen Niveau. Außerdem wird das Tool laufend weiterentwickelt und ist so immer auf dem neuesten Stand der Technik und aktueller Entwicklungen.

Und ich will auch noch mal den Support erwähnen. Meine Kollegin Alexa hat das hier zweimal in ihren Notizen vermerkt. Man bekommt rasend schnell eine Antwort, wenn doch mal Fragen oder Probleme auftauchen. Das ist Gold wert!

Gab es einen besonderen Aha-Moment mit Frazier, von dem du erzählen möchtest?

Unsere Studierenden sind ja eher zurückhaltende Menschen. Je weniger sie reden müssen, desto besser für sie, haha. Und da gab es natürlich immer diese Hemmschwelle, wenn sie dann selber die Tonspuren aufnehmen mussten. Besonders, wenn andere Personen auch noch zugehört haben. Mit den synthetischen Stimmen müssen sie jetzt nur noch auf den Knopf drücken, der Text wird vorgelesen, und sie können selber ruhig daneben sitzen. Das hat ihnen viel Druck genommen.